Rundrücken: Die Ursachen | osteoporose.de

Rundrücken: Symptom bei fortgeschrittener Osteoporose

Bei Osteoporose nimmt die Knochenmasse immer weiter ab, wodurch die Knochen porös werden und leicht brechen – besonders häufig die Wirbelkörper der unteren Brustwirbelsäule und der oberen Lendenwirbelsäule.1 Dies liegt unter anderem daran, dass die Wirbelkörper größtenteils aus schwammartigen Bälkchenknochen bestehen, auf welche sich der Knochenschwund besonders schnell und frühzeitig negativ auswirkt. Liegt der erste Wirbelkörperbruch (Fraktur) vor, steigt das Risiko für weitere Brüche um das Fünf- bis Zehnfache an.2 Nach und nach sackt die Wirbelsäule aufgrund der vermehrten Brüche immer mehr zusammen und der Körpermittelpunkt verlagert sich nach vorne – es bildet sich ein Rundrücken (Hyperkyphose) aus.

Die Ursachen und Folgen eines Rundrückens

Die Ursache für den Rundrücken bei Osteoporose sind Wirbelkörper, die keilförmig einbrechen, woraufhin sich die Wirbelsäule verkürzt und verformt: Im Brustbereich krümmt sie sich zu stark nach hinten (Hyperkyphose). Der Körperschwerpunkt verlagert sich nach vorne und der sogenannte Rundrücken, im Volksmund auch Witwenbuckel genannt, entsteht.
Wer sehr schwer an Osteoporose erkrankt ist, verliert durch diese dauerhafte Veränderung des Skeletts nicht selten sogar bis zu 20 Zentimeter an Körpergröße.3 Die Rumpfverkürzung kann so ausgeprägt sein, dass sich daraus das Baastrup-Syndrom („kissing-spine-disease“) entwickelt. Dabei berühren sich die Dornfortsätze der Lendenwirbelsäule, was zu starken Schmerzen führt. Diese Dornfortsätze sind bei schlanken Menschen am Rücken tastbar und am Wirbelbogen befestigt. Welche körperlichen Merkmale treten noch bei einem sogenannten Witwenbuckel auf, dessen Ursache eine Osteoporose ist?
Der Witwenbuckel geht häufig einher mit:
  • Tannenbaumphänomen: Durch die verringerte Körpergröße entstehen am Rücken der Betroffenen Hautfalten, die von der Mitte (also der Wirbelsäule) aus schlaff nach links und rechts unten abfallen, was an die Konturen eines Tannenbaums erinnert.
  • Osteoporose-Bäuchlein: Bei einem Witwenbuckel wölbt sich darüber hinaus der Bauch, weil die nach vorne gekrümmte Wirbelsäule das Weichteilgewebe mit nach vorne schiebt.
  • Veränderter Gang: Aufgrund der stark gebeugten Körperhaltung, der Schmerzen und des Wunsches, die Wirbelsäule vor stärkeren Erschütterungen zu schützen, wirken die Schritte der Betroffenen häufig unsicher und langsam.
Wer an einer verstärkten Kyphose (Rundrücken) leidet, wird massiv in seinen Bewegungen eingeschränkt. Sich aufrecht hinzustellen oder hinzusetzen – mit einem ausgeprägten Rundrücken ist das nahezu unmöglich.

       
           
Arthrose, Schmerz & Co.:
Folgebeschwerden
                             
       
   

Weitere Komplikationen des Witwenbuckels

Die mit dem Rundrücken durch Osteoporose einhergehenden Haltungsschäden können Ursache für weitere Folgebeschwerden sein:
  • Arthrose (Gelenkverschleiß): Durch die bei der Kyphose eingenommene Schonhaltung werden Gelenke – vor allem die Kniegelenke – übermäßig belastet, was zu einer Arthrose und somit zu einem weiteren Schmerzherd im Körper führen kann.
  • Atemfunktionsstörung: Der Witwenbuckel kann Ursache für eine Verkleinerung des Brustraumes sein. Die Lunge kann folglich nicht mehr richtig arbeiten, das Atmen fällt schwer und es kommt zu Kurzatmigkeit.
  • Schmerzen – nicht nur am Rücken: Durch den Rundrücken wird der gesamte Bewegungsapparat, also auch Muskeln, Bänder und Sehnen, übermäßig beansprucht und gereizt. Insbesondere die Rückenpartie ist schmerzhaft verspannt und verhärtet, wobei sich die Schmerzen jedoch nicht ausschließlich auf den Rücken beschränken müssen, sondern auch bis in die Extremitäten (Arme und Beine) ausstrahlen können.
Hinzu kommt: Wer unter chronischen (lange dauernden) Schmerzen leidet, dem fällt es schwer, ein- und durchzuschlafen. Somit sind auch Schlafstörungen eine mögliche Folge des osteoporosebedingten Rundrückens.
Frau sitzt mit Rundrücken auf dem Fahrrad

Einfache Methode zur Beurteilung eines Rundrückens

Bei der Messung des Hinterkopf-Wand-Abstandes (HWA) – einer klinischen Messgröße – wird der Patient gebeten, sich gerade mit dem Rücken zur Wand zu stellen. Dabei sollten folgende Körperteile die Wand berühren: Hinterkopf, oberer Rücken, Gesäß und Fersen. Bei einer Wirbelsäule, die normal gekrümmt und beweglich ist, bereitet diese Aufgabe dem Patienten keine Probleme. Gelingt es nicht, kann das ein deutlicher Hinweis auf einen Witwenbuckel durch Osteoporose oder eine andere Erkrankung sein, zum Beispiel Morbus Bechterew (eine chronische entzündlich-rheumatische Erkrankung an Wirbelsäule und Becken).

Kann man einen Rundrücken behandeln?

Mithilfe einer Orthese kann die Wirbelsäule stabilisiert und entlastet werden. Dabei handelt es sich um eine Art Stützkorsett, welches ein häufig verordnetes orthopädisches Hilfsmittel bei der Behandlung von Osteoporose darstellt. Je nachdem,
  • ob einem Rundrücken vorgebeugt werden soll,
  • ein leichter Rundrücken mit einem ersten osteoporotischen Wirbelbruch oder
  • ein stark ausgeprägter Rundrücken mit bereits mehreren erfolgten Wirbelbrüchen vorliegt,
gibt es unterschiedliche Modelle der Orthesen. Auch Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur im Brust- und Rückenbereich zu trainieren und zu stärken. Eine gut trainierte Muskulatur kann wirksam dabei unterstützen, alltägliche Belastungen wie Stauchungen ohne Schädigungen des Knochens zu überstehen. Außerdem regen Muskelkontraktionen den Knochenaufbau an. Elementar bei der Behandlung eines Rundrückens und zur gleichzeitigen Verbesserung der Lebensqualität ist das Erlernen von Atemübungen, um das Atemvolumen zu vergrößern und so einer möglichen Atemnot entgegenzuwirken.
In besonders schweren Kyphose-Fällen kann der Arzt die Patienten auf die Möglichkeit der Kyphoplastie aufmerksam machen. Während des operativen Eingriffs wird ein spezieller Knochenzement in die Bruchstelle des Wirbels eingespritzt. Da eine Operation an der Wirbelsäule wie jeder andere Eingriff auch mit Risiken verbunden ist, sollte vorher ein ausführliches Aufklärungsgespräch über Vor- und Nachteile mit einem Facharzt für Osteoporose erfolgen.

  1. Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie: Wirbelkörperfraktur; abgerufen unter: http://www.dgu-online.de/fileadmin/_migrated/content_uploads/DGU_Patienteninformation_Wirbelkoerperfraktur_f_01.pdf (Stand: 04.12.2017)
  2. Bartl, Reiner: Osteoporose: Prävention, Diagnostik, Therapie, 42011, Stuttgart: Thieme, S. 196.
  3. Internisten im Netz; abgerufen unter: https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/osteoporose/warnzeichen-symptome/ (Stand: 01.12.2017)

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