Osteoporose: Therapien mit Medikamenten | osteoporose.de

Osteoporose-Medikamente zum Schutz vor Knochenbrüchen

Es gibt verschiedene Osteoporose-Medikamente, die den Knochenabbau hemmen und/oder den Knochenaufbau fördern. Die Therapie mit diesen Medikamenten ist dann ratsam, wenn der Arzt eine entsprechende Diagnose gestellt hat. Anhaltspunkte für den Arzt können dabei eine stark verringerte Knochendichte, bereits vorhandene Knochenbrüche oder eine Vielzahl verschiedener Risikofaktoren sein. Welche Medikamente gegen Osteoporose infrage kommen, hängt neben dem Stadium der Erkrankung auch von den individuellen Lebensumständen und Präferenzen des Patienten ab.

Osteoporose-Medikamente in Kombination mit Basistherapie

Unter einer Basistherapie versteht man die ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D. Kalzium ist der wichtigste Mineralstoff für stabile Knochen und wird auch für die Funktion von Nerven, Muskeln oder Hormonen in ausreichender Menge benötigt. Vitamin D sorgt unter anderem dafür, dass genügend Kalzium über den Darm aufgenommen und in das Knochengewebe eingebaut werden kann. Neben der Therapie mit Osteoporose-Medikamenten ist die ausreichende Versorgung also ein wichtiger Begleiter der medikamentösen Behandlung und der Prophylaxe. Der empfohlene Tagesbedarf liegt bei 1.000 Milligramm Kalzium und 800 bis 1.000 IE (Internationale Einheiten) Vitamin D.1 Im Gegensatz zu Kalzium, das ausschließlich über die Nahrung aufgenommen wird, produziert die Haut Vitamin D, sofern sie regelmäßig der Sonne ausgesetzt ist. Da der tägliche Bedarf nicht immer durch die Ernährung und den ausreichenden Aufenthalt in der Sonne gedeckt werden kann, ist eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln oder Medikamenten möglich, teilweise auch notwendig. Die Kosten für Medikamente mit Kalzium und Vitamin D werden unter Umständen von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Medikamente gegen Osteoporose mit verschiedenen Wirkansätzen

Die Gabe von spezifischen Osteoporose-Medikamenten soll einerseits das Knochenbruchrisiko senken und andererseits verlorene Knochenmasse wieder aufbauen. Um das zu erreichen, gibt es Substanzen, die
  • antiresorptiv (hemmen den Knochenabbau) oder
  • osteoanabol (fördern den Knochenaufbau) wirken.

Bisphosphonate, SERM (selektive Estrogen- Rezeptor-Modulatoren) und Antikörper hemmen den Knochenabbau

Bisphosphonate können den Knochenabbau aufhalten, indem sie die Aktivität der knochenabbauenden Osteoklasten vermindern. Bei der Einnahme sind je nach Medikament unterschiedliche Vorschriften zu beachten. So ist bei der Einnahme von Bisphosphonaten in Tablettenform (Gabe entweder täglich, wöchentlich oder monatlich) darauf zu achten, dass diese eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit einem Glas Wasser erfolgt. Ansonsten besteht die Möglichkeit, dass die Bisphosphonate mit der Nahrung eine unlösliche Verbindung in Magen und Darm eingehen und vom Körper nicht aufgenommen werden. Außerdem sollte der Patient mindestens 30 Minuten nach der Tabletteneinnahme aufrecht sitzen oder stehen, da sonst die Speiseröhre gereizt werden und sich entzünden kann. Daneben sind auch Präparate verfügbar, die alle drei Monate oder einmal jährlich als intravenöse Spritze beziehungsweise Infusion gegeben werden.
SERM (selektive Estrogen-Rezeptor-Modulatoren) sind Substanzen, die in ihrer Wirkung am Knochen den Östrogenen (weibliche Sexualhormone) ähneln und den Knochenabbau hemmen können. Diese Medikamente gegen Osteoporose kommen allerdings nur für Frauen nach den Wechseljahren infrage. Zeitgleich haben sie eine hemmende Wirkung auf das Brust- und Gebärmuttergewebe, sodass das Risiko für Brust- und Gebärmutterkrebs und das erneute Auftreten der Menstruation gesenkt werden kann. Die aktuell verfügbaren SERM werden täglich als Tablette eingenommen.
Der sogenannte RANK-Ligand-Inhibitor (Antikörper) verfolgt einen anderen Wirkansatz, um den Knochenabbau zu hemmen. Dieser Antikörper wirkt hemmend auf einen körpereigenen Botenstoff: den sogenannten RANK-Ligand (RANKL). Dieser kommt bei Osteoporose in erhöhter Konzentration vor und führt dazu, dass die Osteoklasten (Zellen, die den Knochen abbauen) zur Arbeit angeregt werden. Eine Möglichkeit, den Abbau der Osteoklasten zu blockieren, ist die Gabe des Antikörpers, wodurch die Knochendichte ansteigt und das Frakturrisiko gesenkt wird. Der RANK-Ligand-Inhibitor kommt zur Behandlung der Osteoporose bei Frauen nach der Menopause und bei Männern, die aufgrund eines Prostatakarzinoms antihormonell behandelt werden, zum Einsatz. Das Medikament wird alle sechs Monate unter die Haut (entweder in den Oberschenkel, die Bauchregion oder den Oberarm) gespritzt. Das Spritzen können Ärzte, medizinisches Personal, aber auch der geschulte Patient selbst übernehmen.
Dank Biphosphonaten kann Osteoporose-Patientin weiter Klavier spielen

Parathormone fördern den Knochenaufbau

Parathormone regen den Knochenaufbau an und kommen derzeit nur bei schweren Erkrankungsformen der Osteoporose zum Einsatz. Das Osteoporose-Medikament wird dazu täglich vom Patienten selbst unter die Haut gespritzt und darf über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren gegeben werden.

Was gilt es bei der Einnahme zu beachten?

Welche Medikamente gegen Osteoporose für Sie infrage kommen, wird Ihnen Ihr Facharzt für Osteoporose gerne erklären. Wichtig ist unter anderem, dass Sie die Medikamente gut vertragen und die Einnahmevorschriften mit Ihrem Alltag in Einklang bringen können. Nehmen Sie die Medikamente genau nach ärztlicher Anweisung und regelmäßig ein. Zeigen Sie Geduld und Konsequenz, auch wenn sie scheinbar keine offensichtlichen Beschwerden verspüren. Manchmal erfordert die Einnahme der Osteoporose-Medikamente ein wenig Geduld, weil sich die Wirkung erst nach einiger Zeit einstellt. Wenn Sie Nebenwirkungen bei sich beobachten oder unzufrieden mit der Wirkung sind, teilen Sie dies bitte Ihrem behandelnden Arzt mit, um gemeinsam Lösungen zu finden oder mögliche Alternativen zu besprechen. Brechen Sie die Medikation keinesfalls eigenständig ab. Denn eines gilt für alle Osteoporose-Medikamente: Nur wenn Sie diese regelmäßig einnehmen und der Therapie treu bleiben, kann das Knochenbruchrisiko und eine Vielzahl von Begleitsymptomen gesenkt werden.


  1. DVO-Leitlinie 2017 zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern; abgerufen unter: http://www.dv-osteologie.org/dvo_leitlinien/dvo-leitlinie-2017 (Stand: 07.08.2018), S. 144.

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