Osteopenie & weitere Osteoporose-Formen | osteoporose.de

Osteopenie, manifeste Osteoporose und Co.: Welche Formen der Erkrankung gibt es?

Dass wir mit zunehmendem Alter Knochenmasse abbauen, ist bis zu einem gewissen Grad normal: Pro Jahr sind es zwischen 0,5 und einem Prozent.1 Bei Patienten mit Osteoporose geht dieser Prozess wesentlich schneller vonstatten: Sie bauen im Jahr sogar bis zu sechs Prozent der Knochenmasse ab.2 Doch wann sprechen Mediziner von der Vorstufe der Osteoporose, der sogenannten Osteopenie, und wann von einer manifesten Osteoporose? Erfahren Sie zudem mehr über Sonderformen der Erkrankung.

Osteoporose: Abgrenzen nach der Ursache

Osteoporose: Abgrenzen nach der Ursache:
  • primäre Osteoporose: Die Ursachen hängen unmittelbar mit Veränderungen des Knochenstoffwechsels zusammen. Bei der primären Osteoporose wird noch einmal zwischen zwei Typen unterschieden: Typ 1 ist die postmenopausale Osteoporose, von der Frauen während der Wechseljahre betroffen sein können. Unter Typ 2 verstehen Experten die Altersosteoporose (auch senile Osteoporose) ab 70 Jahren, die bei Frauen und bei Männern auftreten kann.3
  • sekundäre Osteoporose: Diese Ausprägung wird durch bereits bestehende Erkrankungen wie beispielsweise entzündliche Rheumaerkrankungen oder eine Langzeittherapie mit bestimmten Medikamenten verursacht. Die Osteoporose ist in diesem Fall somit eine Zweit- oder Folgeerkrankung.
Nur etwa fünf Prozent der Osteoporose-Patienten leiden unter der sekundären Osteoporose. Doch ist es diese Form, die für ein Fünftel aller durch Osteoporose bedingten Knochenbrüche verantwortlich ist.4
Mann spielt Gitarre trotz Osteopenie

Von Osteopenie bis hin zur manifesten, schweren Osteoporose

Das Krankheitsbild Osteoporose lässt sich in mehrere Schweregrade einteilen. Für die Beurteilung wird ein wesentliches Kriterium herangezogen: der T-Wert, eine Kennzahl, die den mineralischen Gehalt der Knochensubstanz (Bone Mineral Density, BMD), sprich die Knochendichte, angibt. Ein T-Wert von mehr als -1 gilt als normale Knochendichte. Bezugswert ist die Knochendichte gesunder 30-Jähriger. Gemessen wird er mit einer strahlungsarmen Röntgenmethode.
T-Werte bei Osteopenie und Osteoporose
  • Osteopenie, das heißt Vorstufe der Osteoporose: T-Wert von -1 bis -2,5
  • präklinische (oder messtechnische) Osteoporose: T-Wert kleiner als -2,5; Wirbelkörpereinbrüche oder Knochenbrüche liegen noch nicht vor
  • manifeste Osteoporose: T-Wert kleiner als -2,5; erste Wirbeleinbrüche, die ohne erkennbare Ursache (zum Beispiel beim Heben eines Gegenstandes) auftreten
  • schwere manifeste Osteoporose: T-Wert kleiner als -2,5; zusätzlich Knochenbrüche außerhalb der Wirbelsäule (extravertebral) beispielsweise am Oberschenkelhals oder Unterarm
Eine manifeste Osteoporose kann die Lebensqualität der Betroffenen massiv einschränken. Die Knochenbrüche sind schmerzhaft und ziehen bei einer operativen Behandlung längere Krankenhaus- und/oder Reha-Aufenthalte nach sich. Auf eine manifeste Osteoporose kann der sogenannte Witwenbuckel hindeuten, eine deutliche Verkrümmung der Wirbelsäule nach vorne.
Ob Knochenbrüche vorliegen oder nicht, ist auch bei der Diagnose der Osteoporose nach dem ICD-10-Diagnoseschlüssel wichtig. Das ICD-10 ist eine von der Weltgesundheitsorganisation gepflegte internationale Klassifikation von Krankheiten (International Classification of Diseases, ICD), bei der die Formen der Osteoporose eingeteilt werden nach
  • ICD M80: Osteoporose mit pathologischer Fraktur (krankheitsbezogenem Bruch)
  • ICD M81: Osteoporose ohne pathologische Fraktur
  • ICD M82: Osteoporose bei anderenorts klassifizierten Krankheiten5
Der letzteren zugeordnet ist beispielsweise die Osteoporose bei Plasmozytom (bösartige Tumorerkrankung).

Nicht nur Frauen sind betroffen

Sonderformen der Osteoporose

Häufig werden nur Frauen in den Wechseljahren mit der Skeletterkrankung, bei der die Festigkeit der Knochen abnimmt, in Verbindung gebracht. Doch das ist falsch. Es gibt Sonderformen der Osteoporose, die andere Personengruppen – auch weitaus jüngeren Alters – einschließen. Ein Überblick:

Osteoporose bei Kindern

Symptome dieser sehr seltenen Form sind starke Knochenschmerzen, multiple Knochenbrüche und Bewegungseinschränkungen, wie zum Beispiel Schwierigkeiten beim Gehen. Es gibt ein breites Spektrum an Erkrankungen, die die Ursache sein können. Vor allem
  • Mukoviszidose (vererbbare, nicht heilbare Stoffwechselstörung),
  • Magersucht,
  • Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) oder
  • Organtransplantationen
können auslösende Faktoren der kindlichen Osteoporose sein. Fehlt eine auslösende Erkrankung, sprechen Mediziner von der sogenannten idiopathischen juvenilen Osteoporose, bei der die Ursache unklar ist und die sich in den meisten Fällen in der Frühpubertät manifestiert.6

Schwangerschaftsassoziierte Osteoporose

Auch dieses Krankheitsbild findet in der Öffentlichkeit verhältnismäßig wenig Aufmerksamkeit. Weltweit sind in der Literatur nur circa 100 Fälle beschrieben,7 doch ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Unter anderem liegt das daran, dass Rückenschmerzen bei der werdenden Mutter zu oft alleinig auf das zunehmende Gewicht des Kindes zurückgeführt werden.
Häufigste Ursache der schwangerschaftsassoziierten Osteoporose ist ein veränderter Knochenstoffwechsel aufgrund des erhöhten Kalziumverlustes in Schwangerschaft und Stillzeit. Zudem gibt es schwangere Frauen, denen beispielsweise aufgrund eines Frühgeburtsrisikos eine über mehrere Wochen dauernde Bettruhe verordnet wird. Zwangsläufig hat das zur Folge, dass sich die Frauen sehr wenig bewegen. Doch warum ist ausgerechnet Bewegung so wichtig, um der Osteoporose vorzubeugen? Bei Bewegung wird Druck und Zug auf die Muskulatur ausgeübt, was den Um- und Aufbau von Knochensubstanz anregt.

Altersosteoporose (senile Osteoporose)

Die senile Osteoporose kann ab dem siebten Lebensjahrzehnt auftreten und betrifft sowohl Männer als auch Frauen. Dabei steht die altersbedingte Reduzierung der Knochenmasse im Vordergrund. Wenn sich ältere Menschen nicht mehr oder nur noch wenig bewegen, führt das zu einem gesteigerten Knochenabbau. Hinzu kommt die Tatsache, dass bei Senioren die Koordinationsfähigkeit abnimmt und auch bei alltäglichen Aktivitäten ein erhöhtes Sturzrisiko besteht.

Immobilisations-Osteoporose

Zu wenig Bewegung ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Osteoporose, der auch in jüngeren Jahren nicht zu vernachlässigen ist, denn: Auch jüngere Patienten verlieren bis zu 30 Prozent Knochenmasse – und das bereits innerhalb weniger Monate Bettlägerigkeit.8 Doch es müssen nicht mal Monate sein, die man zum Beispiel aufgrund eines Unfalls außer Gefecht gesetzt ist.
Ist beispielsweise ein gebrochener Arm drei Wochen lang eingegipst, verliert der betroffene Knochen bis zu sechs Prozent seiner Knochendichte.9 Das Prekäre: Es dauert wesentlich länger, wieder Knochenmasse aufzubauen, um den ursprünglichen Stand vor der eingeschränkten oder aufgehobenen Beweglichkeit (Immobilität) wieder zu erreichen: Die Knochenmasse nimmt monatlich um ein Prozent zu – vorausgesetzt, der Betroffene ist körperlich wieder aktiv.10
Mann mit manifester Osteoporose wirkt Bewegungsmangel durch Sport entgegen

Osteoporose bei Männern

20 Prozent aller Männer ab 50 Jahren erkranken an Osteoporose.11 Haben Männer bereits Knochenbrüche aufgrund der Osteoporose erlitten, steigt das Risiko für weitere Brüche sogar um das 3,5 fache (Vergleich: bei Frauen um das Doppelte). Die Risikofaktoren beim Mann ähneln im Wesentlichen denen der Frau, dazu gehören beispielsweise eine erbliche Vorbelastung, eine kalziumarme Ernährung oder Bewegungsmangel. Hinzu kommen beim Mann dominierende Risikofaktoren wie zum Beispiel:
  • starkes Rauchen
  • hoher Alkoholkonsum
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • schwere chronische Leber- und Nierenfunktionsstörungen
  • bösartige Tumoren
Häufigste Ursache der Osteoporose bei Männern ist aber mit 30 Prozent ein länger bestehender Mangel an einem wichtigen männlichen Geschlechtshormon, der bereits in jungen Jahren auftreten kann.13 Dieser wirkt sich nicht nur in einem gesteigerten Knochenabbau aus, sondern auch in einem verminderten Knochenaufbau, was den Knochenschwund besonders schnell voranschreiten lässt.


  1. Internisten im Netz. Abgerufen unter: https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/osteoporose/was-ist-osteoporose/ (Stand: 22.11.2017)
  2. Internisten im Netz. Abgerufen unter: https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/ osteoporose/was-ist-osteoporose/ (Stand: 22.11.2017)
  3. Riegel, Christian: Hormonelle Veränderungen bei Männern mit Osteoporose mit speziellem Interesse bezüglich des Hypophysen-Hypothalamus GH/IGF-1-Systems. Abgerufen unter: https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/opus4-wuerzburg/frontdoor/deliver/index/docId/3277/file/Doktor_Arbeit_CH_Riegel_Juli_2009_.pdf (Stand: 22.12.2017)
  4. Bartl, Reiner: Osteoporose: Prävention, Diagnostik, Therapie, 42011, Stuttgart: Thieme, S. 37.
  5. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information: ICD-10-WHO Version 2016. Abgerufen unter: http://www.dimdi.de/static/de/klassi/icd-10-who/kodesuche/onlinefassungen/htmlamtl2016/block-m80-m85.htm#M80 (Stand: 22.11.2017)
  6. Hiort, Olaf: Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie; 2010, Berlin [u.a.]: Springer, S. 427
  7. Universitätsklinikum Marburg: Zentrum für schwangerschaftsassoziierte Osteoporose. Abgerufen unter: http://www.ukgm.de/ugm_2/deu/umr_pao/index.html (Stand: 21.11.2017)
  8. Bartl, Reiner: Osteoporose: Prävention, Diagnostik, Therapie, 42011, Stuttgart: Thieme, S. 237.
  9. Bartl, Reiner: Osteoporose: Prävention, Diagnostik, Therapie, 42011, Stuttgart: Thieme, S. 238.
  10. Bartl, Reiner: Osteoporose: Prävention, Diagnostik, Therapie, 42011, Stuttgart: Thieme, S. 238.
  11. Deutsches Endokrinologisches Versorgungszentrum. Abgerufen unter: http://www.endokrinologen.de/osteoporose-mann.php (Stand: 24.11.2017)
  12. ÄrzteZeitung. Abgerufen unter: https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/skelett_und_weichteilkrankheiten/osteoporose/article/436750/nach-fraktur-brauchen-maenner-osteoporose-therapie.html (Stand: 22.12.2017)
  13. Bartl, Reiner: Osteoporose: Prävention, Diagnostik, Therapie, 42011, Stuttgart : Thieme, S. 235.

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