Osteoporose: Ursachen des Knochenabbaus | osteoporose.de

Osteoporose und ihre Ursachen

Knochen ist ein lebendiges Gewebe und befindet sich in einem steten Auf- und Abbau. Etwa im vierten Lebensjahrzehnt verschiebt sich dieses Gleichgewicht zu Gunsten des Abbaus. Doch erst, wenn dieses Gleichgewicht massiv gestört ist, spricht man tatsächlich von Osteoporose. Was sind aber die Ursachen für diese chronische Erkrankung?

Osteoporose: Wenn Knochen an Dichte verlieren

Allem voran ein paar Worte zum Aufbau unserer Knochen. Sie bestehen aus zwei Strukturen:
  • Knochenwand (Kortikalis): äußere, harte Rindenschicht aus starken Gewebefasern, die den Knochen vor Schlägen und äußeren Einwirkungen schützen
  • Knochentrabekel (Spongiosa): schwammartige Netzstrukturen im Inneren Knochen
Eine negative Knochenbilanz, bei der über Jahre hinweg mehr Knochen ab- als aufgebaut wird, gilt als Ursache für eine Osteoporose. Doch wie kommt es dazu, dass sich die Knochendichte so stark verringert? Die Anzahl der Knochenbälkchen im Knocheninneren nimmt durch die verschiedensten Einflussfaktoren ab, ebenso die Verbindungen untereinander, was dazu führt, dass die Struktur im Knocheninneren insgesamt schwächer wird. Stabilität geht verloren und der Knochen ist nicht mehr so stark belastbar. Aber auch die Knochenwand wird in der weiteren Entwicklung einer Osteoporose häufig dünner. Mithilfe einer Knochendichtemessung kann ermittelt werden, wie es um die Knochendichte bestellt ist und ob zum Beispiel ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche besteht.
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Osteoporose: Ursachen für den Knochenabbau

Knochen erscheinen zwar auf den ersten Blick sehr robust und hart, doch sie sind durch ihre organische Grundsubstanz aus Bindegewebe, Proteinen, Hydroxylapatit (in Knochen und Zähnen gespeicherte Form des Kalziums) und Wasser gleichzeitig auch sehr flexibel und biegsam. Unser Skelett unterliegt dabei einem lebenslangen Kreislauf; der Knochen befindet sich in einem ständigen Auf-, Ab- und Umbauprozess. Der Knochenstoffwechsel ist wie ein unsichtbarer Motor, der nie aufhört zu arbeiten, und das komplexe System im Knocheninneren am Laufen hält. Jedes Jahr werden circa acht Prozent der Knochenmasse von unserem Körper umgebaut.1
Es gibt viele Risikofaktoren, die diesen fein aufeinander abgestimmten Mechanismus aus dem Gleichgewicht bringen und somit den Verlust von Knochenmasse, der die Ursache von Osteoporose darstellt, beschleunigen können. Hierzu können das Lebensalter, das Geschlecht, Bewegungsmangel oder eine familiäre Vorbelastung zählen.

Knochenstoffwechsel – ein
komplexes System

Übersicht über die Zellarten im Knochen

Für den konstanten Auf-, Um- und Knochenabbau sorgen verschiedene Zellen. Jede der Zellarten hat eine spezielle Funktion:
  • Osteoklasten: Sie bauen Knochenmaterial ab, das alt oder geschädigt ist. Wie funktioniert das? An der Zellmembran, die das Zellinnere umschließt, werden eiweißabbauende Enzyme abgesondert, die das Knochenmaterial auflösen. Die einzelnen Bestandteile landen im Blutkreislauf, der sie daraufhin abtransportiert. Dieser Abbauvorgang nimmt nur wenige Tage in Anspruch.
  • Osteoblasten: Dem Knochenabbau wirken Osteoblasten entgegen. Sie bilden somit den Gegenpol zu den Osteoklasten. Doch die Osteoblasten brauchen für ihre Arbeit wesentlich mehr Zeit, als die knochenabbauenden Zellen. Bis neues Bindegewebe produziert ist, dauert es viele Wochen.
  • Osteozyten: Jeder zehnte Osteoblast entwickelt sich zum Osteozyten weiter.2 Das sind die sogenannten knochenüberwachenden Zellen, die das Alter der Knochensubstanz, Defekte oder ungewöhnliche Überlastungen registrieren und daraufhin mittels biologischer Signale den Knochenaufbau, -abbau sowie -umbau einleiten. Diese Zellart ist somit nicht nur als „Kontrollinstanz“ wichtig, sondern auch aktiv am Prozess des Knochenumbaus beteiligt.
Erst das Zusammenspiel der einzelnen Zellarten ermöglicht es den Knochen, sich in Form und Stärke an besondere Belastungen anzupassen, Bruchstellen selbst zu reparieren und die Grundsubstanz laufend zu erneuern.

Woher wissen Osteoblasten und Osteoklasten, was sie zu tun haben?

Die Aktivität der Osteoblasten und Osteoklasten wird durch Hormone und weitere Botenstoffe des Körpers reguliert. Sexualhormone, wie Östrogene bei Frauen und Androgene bei Männern, fördern die knochenaufbauenden Osteoblasten. RANK-Ligand, ein anderer Botenstoff, aktiviert dagegen die Osteoklasten und damit den Knochenabbau.3-6

Zellarten im Ungleichgewicht

Es gibt drei, die Zellsysteme betreffende Ursachen, die zu Osteoporose führen können:
  • schneller Knochenabbau: Osteoklasten mit erhöhter Aktivität, Anzahl der Osteoblasten bleibt gleich („high turnover“)
  • verminderte Knochenneubildung: Anzahl der Osteoklasten konstant, Osteoblasten mit verminderter Aktivität („low turnover“)
  • abnehmende Knochensubstanz: beide Zellarten arbeiten mit verminderter Aktivität (Knochenatrophie)
Bei allen drei Phänomenen erfolgt der Knochenabbau schneller als der -aufbau, was die Knochen dünner und poröser werden lässt.


  1. Dr. Brückle, Wolfgang: Osteoporose. Stabil durchs Leben, Stuttgart 2014, S. 26.
  2. Bartl, Reiner: Osteoporose: Prävention, Diagnostik, Therapie, 42011, Stuttgart : Thieme, S. 10.
  3. Boyle WJ et al. Nature 2003; 423: 337-342.
  4. Aktories et al. (Hrsg.) Allgemeine und spezielle Pharmakologie, S. 729. Urban & Fischer Verlag 2005.
  5. Hofbauer LC. J Miner Stoffwechsel 2004; 11(Suppl 2): 15-19.
  6. Huber et al. Endocrinology 2001; 142: 3800-3808.

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