Osteoporose
In der Jugend wird Knochen aufgebaut, die Knochenmasse nimmt in den ersten 30
Lebensjahren kontinuierlich zu, erreicht dann einen Höhepunkt und fällt in den
späteren Lebensjahren langsam wieder ab. Verantwortlich sind dafür in erster Linie
die so genannten Osteoklasten (von griech. osteon = Knochen, und klastein = zerbrechen). Gegenspieler der Osteoklasten sind die so genannten
Osteoblasten, die für den Knochenaufbau verantwortlich sind. Beim gesunden
Menschen mittleren Alters hält sich die Aktivität der Osteoklasten und
Osteoblasten die Waage.
Die Osteoporose entwickelt sich meist aus einem unzureichenden Knochenaufbau
in jungen Jahren und/oder aus einem beschleunigten Abbau der Knochen in
späterer Zeit aufgrund zu starker Osteoklasten-Aktivität. Es gibt aber auch die Möglichkeit einer zu schwachen Osteoblasten-Aktivität bei normaler Osteoklasten-Aktivität.
Die Ursachen für die Entwicklung einer Osteoporose sind in den meisten Fällen
(95%) nicht klar erkennbar (sog. primäre Osteoporose). Allerdings sind eine Reihe
von Faktoren bekannt, die das Risiko für eine Osteoporose erhöhen:
- Alter: Das Risiko für eine Osteoporose steigt mit dem Alter deutlich an.
- Geschlecht: Frauen sind häufiger bzw. in früherem Lebensalter betroffen als Männer
- Bestehende Knochenbrüche (Frakturen) nach dem 50. Lebensjahr (erhöhen auch das Risiko für weitere Brüche)
- Oberschenkelhalsbrüche der Eltern
- Unzureichende Versorgung mit Calcium (1000 mg pro Tag) bzw. Vitamin D (800 – 2000 Internationale Einheiten pro Tag) über die Ernährung bzw. ungenügende Vitamin D-Bildung in der Haut durch zu geringe Sonnenlicht-Exposition
- Weitere Ernährungsfehler (siehe unter Vorbeugung/Ernährung)
- Unzureichende körperliche Aktivität (Muskeltraining regt die Knochenbildung an)
- Untergewicht (BMI unter 18)
- Übermässiger Alkoholkonsum (bei Frauen mehr als 20 g Alkohol pro Tag, entsprechend ca. 0,5 l Bier oder 0,25 l Wein)
- Rauchen
Allerdings kann eine Osteoporose auch als Folge anderer Erkrankungen bzw. deren medikamentöser Behandlung auftreten (sog. sekundäre Osteoporose, 5% der Fälle). Hierzu gehören:
- Hormonelle Ursachen: Überproduktion des körpereigenen Kortisons (z. B. Morbus Cushing), unzureichende Eigenproduktion der Sexualhormone (Östrogen bei der Frau, Testosteron beim Mann), Überfunktion der Schilddrüse oder Nebenschilddrüse
- Gestörte Magen-/Darmfunktion, die zu einer Mangelversorgung mit Nährstoffen führt (Malnutrition, Malabsorption), z. B. durch chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Collitis ulcerosa)
- Magersucht (Anorexia nervosa)
- Störungen der Nierenfunktion (z. B. renale Osteopathie)
- Immobilisation (Bewegungseinschränkungen bis hin zur Bettlägrigkeit)
- Medikamentös: Langzeittherapie (mehr als 3 Monate) z. B. mit Kortison-Präparaten, Heparin (Blutverdünner), Mittel gegen Epilepsie, Depressionen, Magenübersäuerung (Protonenpumpenhemmer)
- Krebserkrankungen:
- multiples Myelom
- Mastozytose
- Myeloproliferative Erkrankungen
- Rheumatische und andere chronisch entzündliche Erkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis, Polyarthritis, Morbus Crohn, Asthma)