Denosumab
Denosumab ist ein sogenannter humaner monoklonaler Antikörper, der im Knochenstoffwechsel die Effekte von Osteoprotegerin (OPG) imitiert. Er bindet mit sehr hoher Affinität an RANKL und hemmt so dessen Interaktion mit RANK. Insofern ist Denosumab ein IgG2-anti-RANKL-Antikörper.
Neuere Erkenntnisse im Verständnis der Knochenbiologie führten auf die Spur eines – von den Osteoblasten gebildeten – Proteins, des so genannten Receptor Activator of Nuclear Factor Kappa B Ligand (RANKL), der als Signalüberträger von Osteoblasten zu Osteoklasten gilt. RANKL bindet an seinen auf der Oberfläche von Präosteoklasten lokalisierten Rezeptor RANK, einem Mitglied der Tumornekrose(TNF-)Familie, wandelt die Vorläuferzellen in Osteoklasten um und erhöht damit die Aktivität und das Überleben der für die Knochenresorption verantwortlichen Zellen. RANKL stellt demzufolge den primären Mediator von Knochenabbau dar. Und Knochenabbau führt langfristig zu Osteoporose.
Osteoprotegerin (OPG)
Um seinen Effekt zu modulieren und die physiologische Balance aufrecht zu erhalten, sezernieren die Osteoblasten ein weiteres Protein – das Osteoprotegerin (OPG), das als „Abfang“-Rezeptor agiert. OPG bindet an RANKL, hindert ihn dadurch, mit RANK zu interagieren und steuert so Intensität und Dauer der RANKL-induzierten Osteoklastenfunktion.
Der RANK/RANKL/OPG-Pfad
Die Entschlüsselung dieses RANK/RANKL/OPG-Pfades, an der das amerikanische Biotech-Unternehmen Amgen zusammen mit anderen wissenschaftlichen Labors seit Mitte der 1990er Jahre gearbeitet hat, war wegweisend für die Entwicklung eines klinisch einsetzbaren RANKL-Inhibitors: Denosumab, ein humaner monoklonaler IgG2-anti-RANKL-Antikörper, der die Effekte von OPG imitiert. Im Gegensatz zu OPG ist Denosumab hochselektiv, d.h. der Antikörper bindet nicht an andere Vertreter der TNF-Familie und ermöglicht dadurch die spezifische Inhibierung der RANKL-Aktivität. Ein wichtiger Vorteil der Antikörper-Gabe liegt zudem darin, dass es – anders als bei dem früher zur RANKL-Hemmung diskutierten rekombinanten OPG – nicht zu einer Immunsensibilisierung gegen OPG kommt.
Denosumab stellt somit eine völlig neue Osteoporose-Behandlungsmöglichkeit dar. Der monoklonale Antikörper ist noch in der klinischen Erforschung (Phase III). Ein Zulassungsantrag für Osteoporose wird in den USA bei der Food and Drug Administration (FDA) noch 2008 gestellt.
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Da die kritische Signalbahn RANKL/RANK bei allen mit Knochenverlust assoziierten Krankheiten besteht, wird Denosumab neben der postmenopausalen auch bei der männlichen Osteoporose, dem Steroid-induzierten Knochenabbau, der rheumatoiden Arthritis und nicht zuletzt bei Knochenmetastasen einsetzbar sein.
Denosumab von AMGEN
Dieser Antikörper ist ein sehr viel versprechender neuer Ansatz in der Behandlung der Osteoporose (und anderer mit einem Knochenabbau einhergehender Störungen). Nach einer ersten Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2006; 354: 821-831) führte die Behandlung mit Denosumab für 12 Monate zu einer Zunahme der Knochenmineraldichte in der Lendenwirbelsäule von 3,0 bis 6,7% verglichen mit einer Zunahme von 4,6% mit Alendronat und einer Abnahme von 0,8% mit Placebo (s.a.: content.nejm.org).
In der Zeitschrift für Rheumatologie (Volume 65, Number 5 / September 2006, 400-406) ist dazu ein Artikel erschienen: Neue pathophysiologische Stoffwechselwege in der Osteoporose: "Die Osteoklastenaktivierung ist das Ziel vieler Untersuchungen. So werden z. B. die Einflüsse von Östrogen, Wnt und dem RANK/RANKL/OPG-System untersucht. Letztere sind aktiv an der Reifung und Funktion von Osteoklasten beteiligt und scheinen eine zentrale Rolle bezüglich der meisten pathophysiologischen Mechanismen in der Osteoporose einzunehmen." (Abstract)
Auf der Jahrestagung der American Society for Bone and Mineral Research in Montreal im September 2008 wurde berichtet, dass Denosumab das Risiko von Frakturen der Wirbelsäule bei Frauen mit Osteoporose um 68 Prozent reduziert (s.a.: News vom 16. September 2008).
Lesen Sie auch die Meldung vom 20.11.2009: "Denosumab senkt vertebrale Frakturen um mehr als zwei Drittel".
Sehr interessant ist zudem, dass die Patienten nur noch zweimal pro Jahr eine Injektion erhalten müssten.
Doch das Medikament, das den Handelsnamen Prolia® tragen wird, ist noch nicht zugelassen! Unabhängig davon würdigt TIME in seinem Jahres-Rückblick Denosumab bereits als eins der Top 10 Medical Breakthroughs Of 2009.
Informationsmangel
Einer der wichtigsten Gründe der unbehandelten Osteoporose ist der Informationsmangel resp. die Sorglosigkeit. Informieren Sie sich deshalb hier über das Krankheitsbild und moderne Therapiemöglichkeiten.
Lesen Sie hier z.B. mehr zum Thema Dosierung.
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